BBS Rodalben

Ihr Partner für berufliche Bildung im Landkreis Südwestpfalz                 

Schulpartnerschaft BBS Rodalben-Sucha Beskidzka

Die ersten Begegnungen fanden im Rahmen von Comenius-Projekten statt. Waren anscheinend internationale Veranstaltungen, weiß ich aber nicht so genau. Aber ein paar Bekannte, die dabei waren, haben gesagt, es wäre cool gewesen. Die waren zusammen mit den Polen sogar in Süditalien, Mallorca und in der Türkei. Dabei war es super günstig. Aber sie haben auch gesagt, die Lehrer hatten Mordsstress mit den Anträgen und so. Unser Projekt ist für uns auch richtig preiswert. So können viele Jugendliche mitfahren, die normalerweise keine Kohle für solche Begegnungen haben. Find ich klasse. Seit vier Jahren gibt es nun eine feste Schulpartnerschaft zwischen beiden Schulen. Wir fahren eine Woche nach Polen und die Polen kommen eine Woche zu uns. Ist eine feste Einrichtung mittlerweile. Ich hoffe, dass es noch lange so bleibt, damit noch mehr junge Menschen wie ich daran teilnehmen können.

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So, jetzt möchte ich euch aber erzählen, was wir gestern erlebt haben. Wir haben zusammen mit unseren polnischen Freunden auf dem Friedhof in Donsieders Gräber polnischer Opfer des zweiten Weltkrieges gepflegt. Das war ein besonderes Erlebnis. Bevor es ans Arbeiten ging, hat uns Peter Spitzer, 1. Kreisbeigeordneter und Bürgermeister von Donsieders, erklärt, warum sich diese Gräber gerade hier befinden. Das war richtig spannend. 1942 wurde auf dem Gelände des heutigen Umspannwerkes der Pfalzwerke das sogenannte „DuLag“ errichtet. DuLag bedeutet: Durchgangslager Pirmasens-Nord. Was stand hinter diesem Begriff? Dort hausten ausländische Zwangsarbeiter, vornehmlich aus ihrer Heimat verschleppte Russen und Polen. Sie mussten unter menschenunwürdigen Bedingungen Arbeitsdienste verrichten. Den mörderischen Zuständen fielen in der Zeit von Juli 1942 bis Januar 1945 insgesamt über 500 Menschen zum Opfer. Nach dem Krieg erhielten die russischen Opfer ihre letzte Ruhestätte auf dem Waldfriedhof in Mainz-Mombach.

Auf dem Friedhof in Donsieders liegen 36 namentlich bekannte polnische Zwangsarbeiter. Besonders tragisch ist dabei die Tatsache, dass viele Opfer nach einem Fliegerangriff der Alliierten auf die Reichsbahnstation Pirmasens-Nord zu beklagen waren. Getötet von den Befreiern. Unglaublich. Geschichte finde ich nicht immer so prickelnd, aber das hat mich und die anderen schon berührt. Dann ging es ans Arbeiten. Es war genug Werkzeug vorhanden. Die Grabsteine haben die Mädchen gereinigt und die Namen frisch gestrichen. Gehwege haben wir vom alten Sand befreit und mit neuen Steinchen bedeckt. Wir haben wirklich schwer geschuftet. Kann mich kaum erinnern, jemals so geschwitzt zu haben.

Erstaunlich fand ich, dass viele Friedhofsbesucher zuerst neugierig, dann begeistert den Arbeitseinsatz verfolgten. Die Jugend von heute ist vielleicht doch besser als gedacht! Hat sich aber wirklich gelohnt! Der Teil des Friedhofs sieht aus wie neu. Das war jedoch nur die eine Erfahrung. Ein polnisches Mädchen hat uns Deutschen die Geschichte ihres Ururgroßvaters erzählt. Der Vater ihrer Urgroßmutter, sie war damals 10 Jahre alt, war Zwangsarbeiter an der belgischen Grenze. Ihm ist die Flucht zurück nach Polen gelungen. Natürlich musste er sich verstecken, da Polen noch von der Wehrmacht besetzt war. An Heiligabend klopfte es dann ans Fenster. Der Ururgroßvater dachte schon, die Deutschen hätten ihn entdeckt, aber es waren Partisanen in deutschen Uniformen. Die Erleichterung muss ungeheuer gewesen sein.

Ein anderer polnischer Jugendlicher sagte zu mir, dass es wichtig sei , diejenigen, die den 2. Weltkrieg nicht überlebt haben, nicht zu vergessen. In solchen Momenten verstehe ich, warum einige unserer Lehrer so viel Zeit in die Vorbereitung und Durchführung solcher Projekte investieren. Mir kommt auch wieder der Spruch „über der Arbeit an der Vergangenheit sollt ihr eure eigenen Lebensgeschichte schreiben“ in den Sinn. Klingt nach einer gemeinsamen Woche zwischen uns deutschen und polnischen Jugendlichen gar nicht mehr so pathetisch. Die Arbeit auf dem Friedhof war nur ein Teil des gesamten Projektes. Eine offizielle Begrüßung mit Reden und Danksagungen ist natürlich immer dabei.

Den Großteil verbringen wir allerdings mit vielen Aktivitäten, die eigentlich nur ein Ziel haben. Wir können junge Menschen unseres Nachbarlandes kennen lernen. Die polnischen Schüler haben mir erzählt, dass in den Medien ihres Landes sehr viel Negatives über uns berichtet wird. Auch ich höre immer wieder Vorurteile über Polen. In der Schlussbesprechung hat ein polnischer Schüler dann gesagt, die Begegnung mit den deutschen Jugendlichen war kein gewöhnlicher Deutschunterricht. Durch dieses Treffen habe er Deutschland und Deutsche wirklich kennengelernt. Ich weiß, dass es in beiden Ländern Menschen gibt, die nicht an einer freundschaftlichen Partnerschaft interessiert sind. Ich weiß auch, dass ich Vorurteile über Polen weiterhin hören werde. Ich weiß aber auch, dass ich antworten werde: Ich habe in meinem Projekt sehr viele liebenswerte junge Menschen des Nachbarlandes kennengelernt und ich freue mich auf des Wiedersehen im September. Ob ich noch mal durchfallen soll, damit ich noch ein drittes Mal mitfahren kann?

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